Kann der Euro den Dollar als Leitwährung ablösen?

Die Antwort etlicher Experten lautet: Nein. Zwar hat die Finanzkrise Werte von mehreren Billionen Dollar zunichte gemacht. Eine Zeit lang haben viele Menschen ihr Geld im US-Finanzsystem veranlagt, weil es stabil und gut überschaubar wirkte. Die Hypothekenkrise hat da dann anderes offenbart.

Zunächst ein paar Fakten:

Der Dollar ist die Leitwährung der Welt. Beinahe 2 Drittel aller Währungsreserven nutzen den Dollar, Erdöl wird nur in ihm gehandelt und Exportrechnungen der Unternehmen werden auch meist in Dollar ausgestellt. Die enormste Finanzkrise seit 80 Jahren hat den USA jedoch schwer zugesetzt und dem Vertrauen in die amerikanischen Länder alles andere als gut getan.

Mittlerweile ist der Dollar in seinem Wert wieder angestiegen. Allerdings ist das Wirtschaftssystem, in dessen Herz sich der Dollar befand (als Reservewährung, meistverwendetes Zahlungsmittel und beliebteste Anlageform), regelrecht „verwundet“. Dennoch wird der Euro nicht den Platz des Dollars einnehmen können. Dagegen sprechen 3 Gründe:

  • Die US-Finanzmärkte seien nach wie vor wesentlich komplexer und flüssiger als jene in Europa.
  • Jetzt in der Krise zeigt sich die Schwierigkeit der Euro-Länder, koordiniert zu agieren.
  • Last, but not least richten sehr viele Staaten ihre Währungspolitik aufgrund der außenpolitischen und militärischen Stärke Amerikas immer noch nach Washington aus.
  • „Der Euro wird den Dollar nicht ersetzen, weil die EU in Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik ein Zwerg ist“, brachte Adam S. Posen, stellvertretender Direktor des Peterson Institute, diese Einschätzung [die zuvor erwähnten 3 Gründe, Anm. Verf.] auf den Punkt.

    („Die Presse“ vom 10.11.08)

    Von der wirtschaftlichen Seite her betrachtet, spräche einiges für den Euro. Entscheidend für seine Stellung als Währung werde jedoch die Reaktion Europas auf die Finanzkrise sein.

    Punkt 2 der oben angeführten Gründe sieht den Euro als „eine Währung ohne Staat“, was bedeutet, dass man zwar über eine gemeinsame Notenbank, jedoch keinen gemeinsamen Finanzminister verfügt. Momentan gilt der Euro für 15 – mit 1.1.09 für 16 – Staaten, die allesamt recht diverse Rahmenbedingungen aufweisen.

    Als letzter Punkt wurde die allgemein immer noch starke Rolle der USA in Sicherheitsfragen und –politik erwähnt.

    (Quelle: Die Presse [Printausg.], 10.11.08)



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