Stand: 1. September 2026.
Hybridanleihen können deutlich höhere Zinsen bieten als klassische Unternehmensanleihen. Der höhere Kupon ist aber kein Geschenk: Anleger:innen akzeptieren dafür besondere Risiken. Typisch sind eine nachrangige Stellung, sehr lange oder sogar unbegrenzte Laufzeiten, Kündigungsrechte des Emittenten und je nach Anleihebedingungen Möglichkeiten, Zinszahlungen aufzuschieben.
Eine Hybridanleihe ist deshalb auch nicht einfach „halb Aktie, halb Anleihe“. Rechtlich bleibt sie grundsätzlich ein Schuldinstrument. Ihre Bedingungen können aber so ausgestaltet sein, dass das Kapital aus Sicht des Unternehmens oder von Ratingagenturen teilweise wie Eigenkapital behandelt wird. Anleger:innen erhalten dadurch jedoch nicht automatisch Stimmrechte wie Aktionär:innen.
| Typisches Merkmal einer Hybridanleihe | Was Anleger:innen daraus ableiten sollten |
|---|---|
| Höherer Kupon | Die höhere Verzinsung ist vor allem eine Vergütung für zusätzliche Risiken gegenüber vorrangigen Anleihen. |
| Nachrang | Bei finanziellen Problemen oder Insolvenz stehen Hybridgläubiger typischerweise hinter vorrangigen Gläubigern. |
| Keine oder sehr lange Endfälligkeit | Ein erster möglicher Kündigungstermin des Emittenten ist nicht automatisch ein garantierter Rückzahlungstermin. |
| Zinsanpassung | Nach einer ersten Fixzinsperiode kann sich der Kupon entsprechend den Anleihebedingungen neu berechnen. |
| Emittentenrechte | Kündigung, Zinsaufschub und andere Besonderheiten müssen für jede einzelne ISIN in den Bedingungen geprüft werden. |
Was ist eine Hybridanleihe?
Eine Hybridanleihe verbindet Merkmale klassischer Fremdfinanzierung mit Eigenschaften, die aus Sicht des emittierenden Unternehmens eigenkapitalähnlich sein können.
Anleger:innen stellen dem Unternehmen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür grundsätzlich einen Anspruch nach den jeweiligen Anleihebedingungen. Anders als Aktionär:innen werden sie dadurch aber nicht automatisch Miteigentümer:innen des Unternehmens und erhalten üblicherweise keine Stimmrechte in der Hauptversammlung.
Das „Hybrid“ bezieht sich vielmehr auf die finanzielle Konstruktion. Besonders wichtig sind dabei Nachrangigkeit, Laufzeit, Kündigungsrechte, Kuponmechanismus und gegebenenfalls Möglichkeiten zur Verschiebung von Zinszahlungen.
Warum Unternehmen Hybridkapital einsetzen
Für Unternehmen können Hybridanleihen interessant sein, weil sie zwischen klassischem Fremd- und Eigenkapital stehen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann Hybridkapital beispielsweise in der IFRS-Rechnungslegung als Eigenkapital behandelt werden. Auch Ratingagenturen können einen Teil als eigenkapitalähnlich berücksichtigen.
Ein aktuelles österreichisches Beispiel ist OMV. Die Gesellschaft weist ihre entsprechenden unbefristeten Hybridanleihen nach IFRS vollständig als Eigenkapital aus; Ratingagenturen berücksichtigen sie laut OMV teilweise als Equity Credit.
Für Anleger:innen bedeutet diese Bilanzierung allerdings nicht, dass die Anleihe dadurch sicherer wäre. Im Gegenteil: Gerade die eigenkapitalähnlichen Eigenschaften sind ein Grund dafür, weshalb Hybridanleihen üblicherweise höhere Risiken als vorrangige Unternehmensanleihen besitzen.
Call Date ist keine garantierte Fälligkeit
Einer der wichtigsten Punkte beim Lesen einer Hybridanleihe ist der Unterschied zwischen Fälligkeit und Kündigungsmöglichkeit des Emittenten.
Bei einer normalen Anleihe steht häufig ein klarer Rückzahlungstermin fest. Eine unbefristete Hybridanleihe kann dagegen überhaupt keine planmäßige Endfälligkeit besitzen.
Der Emittent kann beispielsweise nach fünf, sechs oder zehn Jahren erstmals das Recht erhalten, die Anleihe zurückzuzahlen. Dieses Datum wird häufig als First Call Date bezeichnet.
Ein Call-Recht ist aber keine Rückzahlungsgarantie. Entscheidend sind ausschließlich die konkreten Anleihebedingungen. Anleger:innen sollten daher nicht automatisch mit der Rückzahlung zum ersten möglichen Kündigungstermin kalkulieren.
Welche Risiken haben Hybridanleihen?
Der höhere Kupon fällt nicht zufällig höher aus. Die Finanzmarktaufsicht weist bei Geldanlagen grundsätzlich darauf hin, dass höhere Ertragschancen mit höheren Risiken verbunden sind. Bei Anleihen kommen zusätzlich Kurs-, Zinsänderungs-, Liquiditäts- und Insolvenzrisiken hinzu.
| Risiko | Praktische Bedeutung bei einer Hybridanleihe |
|---|---|
| Nachrangrisiko | Im Insolvenzfall werden vorrangige Gläubiger grundsätzlich früher bedient. Für nachrangige Anleger:innen kann dadurch deutlich weniger oder nichts mehr übrig bleiben. |
| Emittentenrisiko | Gerät das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck, können Kurs und Rückzahlungschancen erheblich leiden. |
| Call-Risiko | Der Emittent entscheidet im Rahmen der Bedingungen, ob er sein Kündigungsrecht tatsächlich nutzt. |
| Zinsänderungsrisiko | Steigen die Marktzinsen, können ältere Anleihen mit niedrigerem Kupon deutlich an Kurswert verlieren. |
| Kuponrisiko | Je nach Bedingungen können Zinszahlungen unter bestimmten Voraussetzungen verschoben oder anders behandelt werden. |
| Liquiditätsrisiko | Eine Börsennotierung bedeutet nicht automatisch, dass jederzeit genügend Käufer zu einem attraktiven Kurs vorhanden sind. |
| Laufzeitrisiko | Bei unbefristeten Anleihen gibt es keinen klassischen Termin, auf den Anleger:innen sicher bis zur Rückzahlung warten können. |
Hoher Kupon bedeutet nicht hohe Sicherheit
Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels stellte einen hohen Zinskupon noch stark als Vorteil heraus. Das greift zu kurz.
Bei Anleihen ist ein deutlich höherer Zinssatz gegenüber sehr sicheren Anlagen regelmäßig ein Hinweis darauf, dass Anleger:innen zusätzliche Risiken übernehmen. Die österreichische Finanzmarktaufsicht empfiehlt deshalb, die angebotene Rendite mit einer risikoarmen Anlage eines erstklassigen Schuldners zu vergleichen.
Je größer der Renditeaufschlag, desto wichtiger ist die Frage, warum der Markt diesen Aufschlag verlangt.
Auch eine gute Unternehmensbonität beseitigt das Nachrangrisiko nicht. Ein und dasselbe Unternehmen kann vorrangige und nachrangige Wertpapiere ausgeben, die im Krisenfall unterschiedlich behandelt werden.
Aktuelles Beispiel: OMV-Hybridanleihe 2026
Dass Hybridanleihen auch heute noch eine Rolle am österreichischen Kapitalmarkt spielen, zeigt die OMV AG. Das Unternehmen begab im Juni 2026 eine neue unbefristete nachrangige Hybridschuldverschreibung.
| OMV-Hybridanleihe vom Juni 2026 | Veröffentlichte Emissionsdaten |
|---|---|
| ISIN | XS3401027118 |
| Emissionsvolumen | 750 Mio. Euro |
| Emissionspreis | 98,921 % |
| Anfangskupon | 4,375 % pro Jahr bis zum ersten Reset |
| Planmäßige Endfälligkeit | Keine – die Anleihe ist unbefristet. |
| Erster Reset | 10. Dezember 2032 |
| Kündigungsrecht | OMV kann erstmals im vorgesehenen Zeitraum vor beziehungsweise zum ersten Reset-Termin kündigen. |
Das Beispiel zeigt gut, warum ein Blick nur auf „4,375 % Zinsen“ nicht ausreicht. Anleger:innen müssen gleichzeitig berücksichtigen, dass das Wertpapier nachrangig und unbefristet ist und dass die erste Kündigungsmöglichkeit beim Unternehmen liegt.
Außerdem ist wichtig: Die Emission von 2026 durfte laut OMV im Europäischen Wirtschaftsraum nicht an Retail-Anleger angeboten oder verkauft werden. Sie ist deshalb hier ausdrücklich ein aktuelles Anschauungsbeispiel für die Konstruktion einer Hybridanleihe und keine Kaufempfehlung für österreichische Privatanleger:innen.
Was wurde aus den alten Beispielen von 2008?
Der ursprüngliche Beitrag nannte unter anderem Wienerberger und voestalpine. Diese Angaben sind historisch interessant, eignen sich aber nicht als aktuelle Produktübersicht.
Wienerberger hatte beispielsweise eine unbefristete nachrangige Hybridanleihe aus 2014 im Umlauf. Das Unternehmen kündigte die noch ausstehenden Papiere zum ersten Kündigungstermin und zahlte sie im Februar 2021 zurück.
Genau dieses Beispiel zeigt gleichzeitig eine wichtige Besonderheit: In diesem Fall wurde das Call-Recht tatsächlich genutzt. Daraus darf aber keine allgemeine Erwartung entstehen, dass jeder Emittent jede Hybridanleihe automatisch beim ersten Call Date zurückzahlt.
Hybridanleihe, normale Anleihe oder Aktie?
| Anlageform | Typische Position des Anlegers | Zentraler Unterschied |
|---|---|---|
| Normale Unternehmensanleihe | Gläubiger:in | Üblicherweise klarere Laufzeit und gegenüber nachrangigem Hybridkapital bessere Rangstellung. |
| Hybridanleihe | Nachrangige:r Gläubiger:in | Höherer Kupon kann mit Nachrang, langer oder unbegrenzter Laufzeit und besonderen Emittentenrechten verbunden sein. |
| Aktie | Miteigentümer:in | Keine feste Rückzahlung des eingesetzten Kapitals; dafür Beteiligung am Unternehmen und grundsätzlich Aktionärsrechte. |
Eine Hybridanleihe ist daher nicht einfach eine bequemere Aktie mit fixem Zins. Anleger:innen tauschen Aktionärsrechte gegen einen vertraglich definierten Zahlungsmechanismus, übernehmen dafür aber mehr strukturelles Risiko als bei vielen klassischen Anleihen.
Eine weitere wichtige Abgrenzung betrifft Crowdinvesting und Nachrangdarlehen. Auch dort spielt Nachrang häufig eine Rolle, rechtliche Konstruktion, Informationspflichten, Handelbarkeit und Risikostruktur können aber deutlich anders aussehen.
Steuern und Kauf: Was gilt in Österreich?
Für österreichische Privatanleger:innen unterliegen Zinsen aus Forderungswertpapieren grundsätzlich dem besonderen Steuersatz von 27,5 %. Auch realisierte Wertsteigerungen von Wertpapieren können der österreichischen Kapitalertragsteuer unterliegen.
Bei einer konkreten Hybridanleihe sollte trotzdem die steuerliche Einordnung des jeweiligen Instruments geprüft werden. Die Bezeichnung „Hybrid“ allein reicht dafür nicht aus.
Bei einem österreichischen steuereinfachen Depot wird die KESt für entsprechend erfasste Kapitalerträge in der Regel durch die depotführende beziehungsweise auszahlende Stelle abgewickelt. Bei ausländischen Depots kann eine eigene Erklärungspflicht entstehen.
Kann man Hybridanleihen einfach über jedes Depot kaufen?
Nein. Börsennotierung bedeutet nicht automatisch, dass jede Hybridanleihe für jede Privatperson kaufbar ist.
Vor einem Kauf sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden:
- Ist das konkrete Wertpapier überhaupt für Retail-Anleger:innen zugänglich?
- Welche Mindeststückelung gilt?
- Gibt es ein für Privatanleger:innen erforderliches Basisinformationsdokument?
- An welchen Handelsplätzen wird die Anleihe tatsächlich gehandelt?
- Wie hoch sind Kauf- und Verkaufsspread?
- Wie liquide ist das Wertpapier?
- Welchen Rang besitzt die Anleihe?
- Wann kann der Emittent erstmals kündigen?
- Wie wird der Kupon nach dem ersten Reset berechnet?
- Unter welchen Umständen können Zinszahlungen verschoben werden?
Wer grundsätzlich ein Wertpapierdepot für Aktien, ETFs oder Anleihen benötigt, sollte deshalb zuerst Depotkosten und Broker in Österreich vergleichen. Ein günstiges Depot macht ein riskantes Wertpapier allerdings nicht sicherer.
Für langfristigen Vermögensaufbau kann außerdem ein breit gestreuter Ansatz sinnvoller sein als eine große Einzelposition in einer nachrangigen Unternehmensanleihe. Der Ratgeber zum ETF-Sparplan in Österreich erklärt eine stärker diversifizierte Alternative.
Häufige Fragen zu Hybridanleihen
Die wichtigsten Punkte vor einer Investition
Was ist eine Hybridanleihe einfach erklärt?
Eine Hybridanleihe ist ein Schuldinstrument mit besonderen eigenkapitalähnlichen Merkmalen. Typisch können Nachrangigkeit, eine sehr lange oder unbegrenzte Laufzeit sowie besondere Kündigungs- und Zinsregeln sein.
Warum zahlen Hybridanleihen oft höhere Zinsen?
Der höhere Kupon soll Anleger:innen für zusätzliche Risiken entschädigen. Dazu gehören insbesondere Nachrang, längere Kapitalbindung, mögliche Kursschwankungen und besondere Rechte des Emittenten.
Ist eine Hybridanleihe eine Aktie?
Nein. Anleger:innen werden durch den Kauf grundsätzlich nicht Aktionär:innen und erhalten nicht automatisch Stimmrechte. Der Begriff Hybrid beschreibt die Kombination von Fremdkapital- und eigenkapitalähnlichen Merkmalen.
Was bedeutet nachrangig?
Nachrang bedeutet, dass im Insolvenz- oder Abwicklungsfall andere Gläubiger vor den Inhaber:innen des nachrangigen Instruments bedient werden können. Dadurch ist das Verlustrisiko höher als bei vergleichbaren vorrangigen Forderungen.
Was bedeutet „perpetual“ bei einer Hybridanleihe?
Perpetual bedeutet unbefristet. Es gibt keinen planmäßigen klassischen Endfälligkeitstermin. Der Emittent kann je nach Bedingungen bestimmte Kündigungsrechte besitzen.
Wird eine Hybridanleihe beim ersten Call Date sicher zurückgezahlt?
Nein. Ein Call Date bezeichnet grundsätzlich einen Termin oder Zeitraum, ab dem der Emittent ein vertragliches Kündigungsrecht besitzen kann. Ob er dieses tatsächlich nutzt, hängt von den Bedingungen und seiner Entscheidung ab.
Sind 5 oder 6 % Kupon bei einer Hybridanleihe automatisch attraktiv?
Nein. Der Kupon muss immer gemeinsam mit Kurs, Rang, Bonität, Laufzeit, Kündigungsrechten, Liquidität und weiteren Anleihebedingungen beurteilt werden. Eine höhere Verzinsung kann gerade Ausdruck eines höheren Risikos sein.
Wie werden Hybridanleihen in Österreich besteuert?
Zinsen aus Forderungswertpapieren unterliegen bei österreichischen Privatanleger:innen grundsätzlich dem besonderen Steuersatz von 27,5 %. Die konkrete steuerliche Behandlung hängt jedoch vom einzelnen Wertpapier und der persönlichen beziehungsweise depotbezogenen Situation ab.
Fazit: Hybridanleihen können interessante Kupons bieten, sind aber keine besonders gut verzinsten Sparprodukte. Nachrang, Laufzeit, Kündigungsrechte, Zinsmechanismus, Handelbarkeit und Bonität müssen gemeinsam betrachtet werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem möglichen ersten Kündigungstermin und einer garantierten Rückzahlung. Wer diese Struktur nicht vollständig versteht, sollte nicht allein wegen des angegebenen Kupons investieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung zum Kauf einer bestimmten Hybridanleihe dar.