Zertifikate in Österreich 2026: Arten, Risiken & Steuern

Zertifikate in Österreich - Vorteile, Chancen, Risiken (Symbolbild)
Zertifikate in Österreich - Vorteile, Chancen, Risiken (Symbolbild)

Zertifikate ermöglichen es, auf die Entwicklung von Aktien, Indizes, Rohstoffen, Währungen, Zinsen oder anderen Basiswerten zu setzen. Anders als beim direkten Aktien- oder Fondskauf erwerben Anleger:innen den Basiswert jedoch nicht selbst. Sie kaufen grundsätzlich eine Schuldverschreibung des Emittenten, deren Rückzahlung nach vorher festgelegten Bedingungen berechnet wird.

Damit hängen Gewinn und Verlust nicht nur von der Entwicklung des Basiswerts ab. Ebenso wichtig sind Emittentenrisiko, Laufzeit, Barriere, Cap, Bezugsverhältnis, Rückzahlungsform, Kosten, Handelbarkeit und steuerliche Behandlung. Auch ein Produkt mit „Kapitalschutz“ ist weder ein Sparbuch noch automatisch verlustfrei.

Stand: 29. Juli 2026. Dieser Ratgeber erklärt Zertifikate aus Sicht privater Anleger:innen in Österreich. Er behandelt klassische Anlagezertifikate ebenso wie spekulative Hebel- und Knock-out-Produkte, ohne ein bestimmtes Produkt zu empfehlen.

Frage Kurzantwort
Was ist ein Zertifikat? Eine Schuldverschreibung, deren Rückzahlung von einem Basiswert und einem vertraglich festgelegten Auszahlungsprofil abhängt.
Kauft man den Basiswert direkt? Nein. Anleger:innen besitzen beispielsweise nicht automatisch die zugrunde liegende Aktie oder den Index.
Was ist das Emittentenrisiko? Kann der Herausgeber seine Verpflichtungen nicht erfüllen, drohen Verluste bis zum Totalverlust.
Sind Kapitalschutz-Zertifikate sicher? Der Schutz gilt nur entsprechend den Produktbedingungen, meist nur am Laufzeitende und nur bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten.
Gilt die Einlagensicherung? Für das Zertifikat selbst grundsätzlich nicht. Es ist keine Konto- oder Spareinlage.
Welche Unterlagen sind wichtig? Basisinformationsblatt, endgültige Bedingungen, Prospekt, Preis- und Leistungsverzeichnis sowie Steuerunterlagen.
Wie werden Zertifikate in Österreich besteuert? Einkünfte aus verbrieften Derivaten unterliegen grundsätzlich dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. Der konkrete Fall muss gesondert geprüft werden.
Braucht man ein Depot? In der Regel ja. Zusätzlich muss der gewählte Broker das konkrete Zertifikat und einen passenden Handelsweg anbieten.

Was sind Zertifikate und wie funktionieren sie?

Ein Zertifikat ist grundsätzlich eine vom Emittenten ausgegebene Schuldverschreibung. Emittent ist häufig eine Bank oder ein anderes Finanzinstitut. Wer das Zertifikat kauft, stellt dem Emittenten Kapital zur Verfügung und erhält dafür einen vertraglich geregelten Anspruch.

Wie viel am Ende zurückgezahlt wird, hängt nicht allein davon ab, ob der Basiswert steigt oder fällt. Entscheidend ist die konkrete Struktur. Zwei Zertifikate auf dieselbe Aktie können deshalb völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Zertifikat und Basiswert sind nicht dasselbe

Als Basiswert können unter anderem dienen:

  • einzelne Aktien,
  • Aktienindizes,
  • Fonds oder ETF-Indizes,
  • Rohstoffe wie Gold oder Öl,
  • Währungen,
  • Zinssätze,
  • Anleihen oder Anleihenindizes,
  • Körbe aus mehreren Wertpapieren.

Ein Zertifikat auf eine Aktie macht Anleger:innen nicht zu Aktionär:innen des Unternehmens. Es bestehen normalerweise keine Stimmrechte und kein unmittelbarer Anspruch auf die Dividende. Dividenden können jedoch in die Preisberechnung oder die Ausgestaltung des Produkts einfließen.

Wer eine Aktie unmittelbar besitzen möchte, sollte zunächst die Grundlagen im Beitrag Aktien kaufen und verkaufen für Einsteiger einordnen. Dort geht es um direkten Aktienbesitz, Unternehmensanalyse und Streuung – nicht um einen Rückzahlungsanspruch gegenüber einem Zertifikate-Emittenten.

Diese Begriffe bestimmen die Rückzahlung

Begriff Bedeutung
Emittent Unternehmen oder Bank, die das Zertifikat ausgibt und die vertragliche Rückzahlung schuldet.
Basiswert Aktie, Index, Rohstoff, Währung oder anderer Marktwert, auf den sich das Zertifikat bezieht.
Bezugsverhältnis Legt fest, wie viele Einheiten des Basiswerts rechnerisch durch ein Zertifikat abgebildet werden.
Partizipationsrate Bestimmt, zu welchem Prozentsatz Anleger:innen an einer Kursbewegung teilnehmen.
Cap Begrenzt den maximal möglichen Rückzahlungsbetrag oder Gewinn.
Barriere Kursschwelle, deren Berührung oder Unterschreitung die Rückzahlung wesentlich verändern kann.
Bewertungstag Tag, an dem der relevante Stand des Basiswerts für die Rückzahlung festgestellt wird.
Laufzeit Zeitraum bis zur vorgesehenen Rückzahlung. Manche Produkte haben eine fixe Laufzeit, andere sind grundsätzlich offen ausgestaltet.
Physische Lieferung Je nach Bedingungen können statt einer Geldzahlung Aktien oder andere Wertpapiere geliefert werden.
Emittentenkündigung Bei manchen Produkten kann der Emittent nach den Bedingungen eine vorzeitige Beendigung vornehmen.

Eine vergangene Kursentwicklung des Basiswerts reicht für die Beurteilung nicht aus. Anleger:innen müssen nachvollziehen, was bei steigenden, seitwärts laufenden und fallenden Kursen passiert und welche Ereignisse eine Barriere verletzen.

Welche Zertifikate-Arten gibt es?

„Zertifikat“ ist ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Konstruktionen. Manche bilden einen Basiswert relativ einfach ab, andere enthalten mehrere Bedingungen, Barrieren und vorzeitige Rückzahlungsregeln.

Zertifikate-Art Grundidee Wichtigstes Risiko
Index- oder Partizipationszertifikat Bildet die Entwicklung eines Index oder anderen Basiswerts nach einem bestimmten Bezugsverhältnis ab. Kursverlust des Basiswerts, Emittentenausfall, Kosten und mögliche Währungseffekte.
Discountzertifikat Wird mit einem rechnerischen Abschlag gekauft. Dafür ist der mögliche Gewinn meist durch einen Cap begrenzt. Fällt der Basiswert stark, kann der Discount den Verlust nur teilweise abfedern.
Bonuszertifikat Stellt unter bestimmten Bedingungen einen Bonusbetrag in Aussicht, solange eine festgelegte Barriere nicht verletzt wird. Wird die Barriere berührt oder unterschritten, kann die Bonuswirkung entfallen.
Kapitalschutz-Zertifikat Sieht am Laufzeitende eine Rückzahlung eines festgelegten Anteils des Nennwerts vor, beispielsweise 90 oder 100 Prozent. Schutz gilt nur nach den Bedingungen, meist nur am Laufzeitende und nur bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten.
Expresszertifikat Kann an Beobachtungstagen vorzeitig zurückgezahlt werden, wenn der Basiswert eine definierte Bedingung erfüllt. Bleibt die Bedingung aus, läuft das Produkt weiter; am Ende können Barriere- und Kursverluste wirksam werden.
Aktienanleihe oder Reverse Convertible Bietet einen festen Kupon. Je nach Kursentwicklung erfolgt die Rückzahlung in Geld oder durch Lieferung von Aktien. Gelieferte Aktien können deutlich weniger wert sein als der ursprünglich eingesetzte Betrag.
Knock-out- oder Turbozertifikat Bildet Kursbewegungen mit Hebel ab und kann auf steigende oder fallende Kurse ausgerichtet sein. Das Erreichen der Knock-out-Schwelle kann einen sehr hohen Verlust oder Totalverlust auslösen.

Kapitalschutz bedeutet nicht Einlagensicherung

Der Begriff „Kapitalschutz“ muss exakt gelesen werden. Ein Kapitalschutz von 90 Prozent bedeutet nicht, dass 100 Prozent des eingesetzten Geldes geschützt sind. Selbst bei nominell 100 Prozent Schutz bleiben mehrere Punkte offen:

  • Der Schutz gilt häufig nur zum vorgesehenen Laufzeitende.
  • Bei einem vorzeitigen Verkauf kann der Börsenkurs deutlich unter dem Nennwert liegen.
  • Order-, Depot- und sonstige Kosten können den wirtschaftlichen Erhalt des Kapitals reduzieren.
  • Inflation kann die reale Kaufkraft mindern.
  • Fällt der Emittent aus, kann auch der zugesagte Rückzahlungsbetrag gefährdet sein.

Ein Kapitalschutz-Zertifikat ist daher kein Sparbuch, kein Festgeld und keine gesetzlich geschützte Bankeinlage.

Bonus und Discount sind kein kostenloser Schutz

Bei Discount- und Bonuszertifikaten wird häufig mit einem Sicherheitspuffer geworben. Dieser Puffer kann Verluste begrenzen, aber nicht ausschließen.

Beim Discountzertifikat wird die günstigere Einstiegsmöglichkeit typischerweise mit einer Gewinnobergrenze bezahlt. Steigt der Basiswert weit über den Cap, profitieren Anleger:innen nicht vollständig von diesem Anstieg.

Beim Bonuszertifikat hängt das Ergebnis stark von der Barriere ab. Entscheidend ist nicht nur der Kurs am Laufzeitende. Je nach Bedingungen kann bereits eine zwischenzeitliche Berührung der Barriere genügen, damit die Bonuswirkung verloren geht.

Hebel- und Knock-out-Produkte sind besonders spekulativ

Knock-out-, Turbo- und andere Hebelzertifikate reagieren überproportional auf Kursbewegungen des Basiswerts. Das kann kurzfristig hohe Gewinne ermöglichen, beschleunigt aber ebenso Verluste.

Wird die Knock-out-Schwelle erreicht, kann das Produkt sofort oder nahezu vollständig wertlos werden. Solche Produkte eignen sich nicht als Ersatz für einen Notgroschen, eine langfristige Basisanlage oder einen breit gestreuten Sparplan.

Auch CFDs arbeiten mit Hebel, funktionieren rechtlich und technisch aber anders. Der Beitrag CFDs in Österreich: Hebel, Risiken und FMA-Regeln erklärt diese Unterschiede und die besonderen Schutzvorschriften für private CFD-Kund:innen.

Risiken, Kosten und Produktunterlagen prüfen

Die wichtigste Frage ist nicht, welches Zertifikat zuletzt die beste Rendite hatte. Entscheidend ist, ob Anleger:innen das vollständige Auszahlungsprofil und alle Verlustmöglichkeiten nachvollziehen können.

Die wichtigsten Risiken im Überblick

Risiko Was passieren kann
Emittentenrisiko Der Emittent kann seine Verpflichtungen nicht oder nicht vollständig erfüllen. Ein Totalverlust ist möglich.
Marktrisiko Der Basiswert entwickelt sich entgegen der Erwartung und reduziert den Zertifikatewert.
Barrierenrisiko Eine Barriere wird verletzt und ein Bonus, Schutzmechanismus oder eine bestimmte Rückzahlung entfällt.
Hebelrisiko Kleine Kursbewegungen führen zu überproportionalen Gewinnen oder Verlusten.
Liquiditätsrisiko Es gibt zeitweise keinen ausreichenden Handel oder nur einen sehr ungünstigen Verkaufskurs.
Spreadrisiko Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs belastet das Ergebnis, besonders bei engem Markt oder außerhalb liquider Handelszeiten.
Währungsrisiko Wechselkurse beeinflussen den Wert, sofern Basiswert oder Zertifikat nicht vollständig gegen Fremdwährungsbewegungen abgesichert sind.
Kündigungsrisiko Der Emittent kann das Produkt nach den Bedingungen vorzeitig kündigen oder zurückzahlen.
Wiederanlagerisiko Nach einer vorzeitigen Rückzahlung ist möglicherweise keine gleichwertige neue Anlage verfügbar.
Komplexitätsrisiko Die tatsächliche Rückzahlung wird wegen mehrerer Bedingungen, Beobachtungstage oder Barrieren falsch eingeschätzt.

Basisinformationsblatt richtig lesen

Für Zertifikate, die privaten Anleger:innen angeboten werden, ist das Basisinformationsblatt nach der PRIIPs-Regelung besonders wichtig. Es soll die zentralen Produktmerkmale standardisiert darstellen.

Vor dem Kauf sollten mindestens folgende Abschnitte geprüft werden:

  1. Produkt und Emittent: Wer gibt das Zertifikat aus und wie lautet die genaue ISIN?
  2. Ziele und Funktionsweise: Wie wird die Rückzahlung berechnet?
  3. Empfohlene Haltedauer: Für welchen Zeitraum wurde das Produkt konzipiert?
  4. Risikoindikator: Wo liegt das Produkt auf der Skala von 1 bis 7?
  5. Verlustmöglichkeiten: Unter welchen Bedingungen sind Teil- oder Totalverluste möglich?
  6. Performance-Szenarien: Welche günstigen, mittleren, ungünstigen und Stress-Szenarien werden dargestellt?
  7. Kosten: Wie stark reduzieren einmalige und laufende Produktkosten den möglichen Ertrag?
  8. Vorzeitiger Ausstieg: Welche Folgen kann ein Verkauf vor Laufzeitende haben?

Der Risikoindikator ist keine Garantie. Er basiert auf festgelegten Berechnungsmethoden und geht grundsätzlich davon aus, dass das Produkt über die empfohlene Dauer beziehungsweise bis zur Endfälligkeit gehalten wird.

Auch die dargestellten Performance-Szenarien sind keine Prognose mit Erfolgsgarantie. Sie zeigen Modellrechnungen, die unter realen Marktbedingungen deutlich über- oder unterschritten werden können.

Welche Kosten können entstehen?

  • Produktkosten: Kosten, die bereits in der Struktur oder Preisberechnung des Zertifikats enthalten sind.
  • Emittentenmarge: Teil des Ausgabepreises, der unter anderem Kalkulations- und Vertriebskomponenten enthalten kann.
  • Spread: Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs.
  • Orderkosten: Gebühr des Brokers für Kauf und Verkauf.
  • Handelsplatz- und Fremdspesen: Zusätzliche Kosten der Börse oder Abwicklung.
  • Depotgebühr: Laufende Kosten für die Verwahrung des Wertpapiers.
  • Währungsumrechnung: Kosten bei Kauf, Verkauf oder Abrechnung in Fremdwährung.
  • Beratungs- oder Vertriebsvergütung: Je nach Vertriebsweg können zusätzliche Vergütungen im Produkt oder Geschäft enthalten sein.

Ein Zertifikat ohne sichtbar ausgewiesene laufende Verwaltungsgebühr ist deshalb nicht automatisch kostenlos. Produktmarge, Spread und begrenzte Teilhabe können den wirtschaftlichen Ertrag deutlich beeinflussen.

Depotkosten vor dem Zertifikatekauf vergleichen

Für den Kauf und die Verwahrung von Zertifikaten wird in der Regel ein Wertpapierdepot benötigt. Dabei sollte nicht nur die Depotgebühr geprüft werden. Wichtig sind auch Orderkosten, Handelsplätze, außerbörslicher Handel, Steuerabwicklung, Fremdspesen und die Frage, ob das gewünschte Zertifikat überhaupt angeboten wird.


Hinweis: Der Vergleich kann Partnerangebote enthalten. Er zeigt allgemeine Depotkonditionen und ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Zertifikat. Vor der Depoteröffnung müssen Produktauswahl, Preisblatt, Steuerabwicklung und Handelsmöglichkeiten direkt beim Anbieter geprüft werden.

Weitere Kriterien erklärt unser Ratgeber zum kostenlosen Depot in Österreich und Brokervergleich.

Zertifikate kaufen und in Österreich versteuern

Schritt für Schritt vor dem Kauf

  1. Anlageziel festlegen: Geht es um langfristigen Vermögensaufbau, eine kurzfristige Marktmeinung, Kapitalschutz oder Spekulation?
  2. Verlustgrenze bestimmen: Wie viel des eingesetzten Betrags darf im ungünstigen Fall verloren gehen?
  3. Basiswert verstehen: Nur in ein Produkt investieren, dessen Basiswert und Einflussfaktoren nachvollziehbar sind.
  4. Produktart auswählen: Index-, Bonus-, Discount-, Express- und Hebelzertifikate funktionieren unterschiedlich.
  5. Emittent prüfen: Bonität, Rechtsform und konkrete Schuldnerrolle berücksichtigen.
  6. Barriere und Cap analysieren: Nicht nur das beste Szenario, sondern die Verlustschwellen berechnen.
  7. Basisinformationsblatt lesen: Risikoindikator, Haltedauer, Kosten und Szenarien vergleichen.
  8. Endgültige Bedingungen prüfen: Bewertungstage, Kündigungsrechte, Rückzahlung und mögliche Wertpapierlieferung kontrollieren.
  9. Handelbarkeit testen: Geld- und Briefkurs, Spread, Handelszeiten und Handelsplatz ansehen.
  10. Steuer klären: Prüfen, ob der Broker die österreichische KESt abführt oder eigene Erklärungspflichten entstehen.
  11. Order begrenzen: Bei weniger liquiden Wertpapieren kann eine Limit-Order vor einem unerwartet schlechten Ausführungskurs schützen.
  12. Positionsgröße klein halten: Ein komplexes Einzelprodukt sollte nicht das gesamte Depot dominieren.

Steuer auf Zertifikate in Österreich

Einkünfte aus verbrieften Derivaten, zu denen Zertifikate grundsätzlich zählen können, unterliegen bei privaten Anleger:innen in Österreich im Regelfall dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. Dazu können laufende Erträge, Differenzausgleiche, Einlösungsgewinne und Gewinne aus dem Verkauf gehören.

Die konkrete Besteuerung hängt jedoch unter anderem ab von:

  • genauer rechtlicher und wirtschaftlicher Produktgestaltung,
  • Anschaffungszeitpunkt,
  • Verkauf oder Einlösung,
  • inländischer oder ausländischer Depotstelle,
  • automatischem KESt-Abzug,
  • privatem oder betrieblichem Vermögen,
  • Wohnsitz und grenzüberschreitendem Sachverhalt.

Bei einem in Österreich zum KESt-Abzug verpflichteten Depotanbieter wird die Steuer häufig automatisch berechnet und abgeführt. Bei einem ausländischen beziehungsweise nicht steuereinfachen Broker können eigene Aufzeichnungs- und Erklärungspflichten entstehen.

Wer mehrere Depots, ausländische Broker, Altbestände, Verluste, einen Wohnsitzwechsel oder komplexe Zertifikate besitzt, sollte die steuerliche Behandlung vor dem Kauf beziehungsweise vor Abgabe der Steuererklärung individuell prüfen lassen.

Zertifikat, Aktie, Fonds, ETF oder CFD?

Produkt Was wird erworben? Typischer Einsatz Zentrales Zusatzrisiko
Aktie Direkte Beteiligung an einem Unternehmen. Langfristige Unternehmensbeteiligung, Kurschance und mögliche Dividende. Unternehmens- und Einzeltitelrisiko.
Aktienfonds Anteil an einem Fonds mit mehreren Aktien. Breitere Streuung und professionelles Management. Markt-, Management- und Kostenrisiko.
ETF Anteil an einem börsengehandelten Fonds. Häufig kostengünstige und breite Indexanlage. Marktrisiko sowie je nach ETF weitere Struktur-, Währungs- oder Replikationsrisiken.
Zertifikat Forderung gegenüber dem Emittenten mit festgelegtem Auszahlungsprofil. Gezielte Marktmeinung oder strukturierte Chance-Risiko-Kombination. Emittenten- und Komplexitätsrisiko.
CFD Vertrag über die Kursdifferenz mit einem CFD-Anbieter. Kurzfristige gehebelte Spekulation auf steigende oder fallende Kurse. Hebel-, Margin-, Finanzierungs- und Anbieterrisiko.

Für langfristige, breit gestreute Anlagen kann ein einfacher Fonds oder ETF leichter nachvollziehbar sein als ein Zertifikat mit Barrieren und Laufzeitbedingungen. Unser Beitrag zu Aktienfonds in Österreich erklärt die Fondsstruktur und den Unterschied zu ETFs.

Für regelmäßige langfristige Einzahlungen passt der Ratgeber zum ETF-Sparplan in Österreich. Auch ETFs können Verluste verursachen, bieten bei breiter Auswahl aber häufig eine einfachere Streuung als ein einzelnes strukturiertes Zertifikat.

FAQ zu Zertifikaten in Österreich

Häufige Fragen

Was ist ein Zertifikat bei der Geldanlage?

Ein Zertifikat ist grundsätzlich eine Schuldverschreibung eines Emittenten. Die Rückzahlung richtet sich nach der Entwicklung eines Basiswerts und den festgelegten Produktbedingungen. Anleger:innen kaufen den Basiswert nicht direkt.

Sind Zertifikate sicher?

Nein. Je nach Produkt bestehen Markt-, Emittenten-, Barrieren-, Liquiditäts-, Währungs- und Komplexitätsrisiken. Bei einem Ausfall des Emittenten oder einer ungünstigen Produktentwicklung sind erhebliche Verluste bis zum Totalverlust möglich.

Was bedeutet Emittentenrisiko bei Zertifikaten?

Das Emittentenrisiko ist das Risiko, dass der Herausgeber des Zertifikats seine Rückzahlungs- oder Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann. Die Entwicklung des Basiswerts kann positiv sein und trotzdem ein Verlust entstehen, wenn der Emittent ausfällt.

Sind Kapitalschutz-Zertifikate durch die Einlagensicherung geschützt?

Das Zertifikat selbst ist grundsätzlich keine gesetzlich geschützte Konto- oder Spareinlage. Ein vertraglicher Kapitalschutz hängt von den Produktbedingungen und der Zahlungsfähigkeit des Emittenten ab.

Kann man ein Zertifikat vor Laufzeitende verkaufen?

Viele Zertifikate können während der Laufzeit über eine Börse oder außerbörslich verkauft werden. Ein Verkauf ist jedoch nicht zu einem bestimmten Preis garantiert. Spread, Liquidität, Marktbewegung und Emittentenbonität können zu einem deutlich niedrigeren Verkaufserlös führen.

Wie werden Zertifikate in Österreich besteuert?

Einkünfte aus verbrieften Derivaten unterliegen grundsätzlich dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. Die konkrete Behandlung und ein möglicher automatischer KESt-Abzug hängen von Produkt, Anschaffungszeitpunkt, Depotstelle und persönlichem Sachverhalt ab.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zertifikat und einem ETF?

Ein ETF ist ein Anteil an einem Investmentfonds. Ein Zertifikat ist grundsätzlich eine Forderung gegenüber einem Emittenten. Beim Zertifikat kommt daher zum Marktrisiko das Emittentenrisiko hinzu. ETFs und Zertifikate können außerdem sehr unterschiedliche Kosten und Auszahlungsprofile besitzen.

Braucht man für Zertifikate ein Depot?

In der Regel ja. Der Broker muss nicht nur Wertpapierhandel ermöglichen, sondern auch das konkrete Zertifikat und einen geeigneten Handelsplatz anbieten. Depotkosten, Orderkosten, Spreads und Steuerabwicklung sollten vorher geprüft werden.

Fazit und Quellen

Fazit: Erst die Rückzahlung verstehen, dann über einen Kauf entscheiden

Zertifikate können sehr unterschiedliche Anlageziele abbilden. Es gibt einfache Partizipationsprodukte, begrenzte Discount- und Bonusmodelle, Kapitalschutzprodukte sowie hochspekulative Knock-out-Zertifikate.

Die Vielfalt ist aber kein automatischer Vorteil. Anleger:innen müssen nicht nur den Basiswert beurteilen, sondern auch die Vertragslogik und die Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Besonders wichtig sind Barriere, Cap, Laufzeit, Rückzahlungsform, Risikoindikator, Kosten, Spread und Steuer.

Wer die Auszahlung in einem ungünstigen Szenario nicht selbst nachvollziehen kann, sollte das Produkt nicht allein aufgrund eines attraktiven Produktnamens, Kupons oder Bonusbetrags kaufen. Ein einfacher ETF, Aktienfonds oder eine direkte Aktie kann je nach Ziel transparenter sein – bleibt aber ebenfalls mit Verlustrisiken verbunden.

Quellen und weiterführende Informationen

Risikohinweis: Zertifikate, Aktien, Fonds, ETFs, CFDs und andere Wertpapiere können im Wert schwanken und Verluste bis zum Totalverlust verursachen. Bei Zertifikaten besteht zusätzlich das Risiko eines Ausfalls des Emittenten. Angaben zu Produkten, Kosten, Steuern, regulatorischen Vorgaben und Brokerleistungen können sich ändern. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Vor einer Investition sollten das aktuelle Basisinformationsblatt, die endgültigen Bedingungen, der Prospekt, das Preisverzeichnis und die persönliche finanzielle Situation geprüft werden.

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Written by Chefredaktion Finanz Blog

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Unsere Beiträge ersetzen keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung.