Benko übernimmt Karstadt: Wie geht es weiter?

Lange Zeit gab es nur Gerüchte. Mitte August war es dann offiziell: Die Signa Retail GmbH des Tiroler Investors René Benko übernimmt die Kaufhaus-Kette Karstadt zu hundert Prozent – für einen symbolischen Preis von einem Euro.

Nicolas Berggruen geht, Benko kommt

Der bisherige Eigentümer, Nicolas Berggruen, der Karstadt vor vier Jahren übernahm, zieht sich aus dem Geschäft zurück und gibt seine gesamten Beteiligungen ab. Die Sanierung, die Berggruen vorantreiben wollte, gilt als gescheitert. Berggruen selbst räumte sein Scheitern ein und meinte dazu: „Wir machen den Weg frei für einen Neustart mit neuem Eigentümer“.

Benko soll im Gegenzug für die Übertragung des Konzerns 300 Millionen in eine geplante Modernisierung der Kaufhäuser investieren, 200 Millionen Euro sollen bereits bereitgestellt worden sein. Nun soll ein tragfähiges Sanierungskonzept ausgearbeitet und verabschiedet werden.

Klinkendrücken in der Chefetage

Der Marktanteil deutscher Kaufhäuser lag in den 1970er-Jahren bei stolzen 12 Prozent – bis ins Jahr 2009 ist dieser auf etwa drei Prozent geschrumpft. Seit 2000 kämpft Karstadt um das Überleben: Nachdem KarstadtQuelle Vorstandschef Walter Deuss im Jahr 2000 sein Amt niederlegte, musste sein Nachfolger Wolfgang Urban 2004 seinen Posten wegen schlechter Ertragslage räumen.

Übernahme: Noch sind einige Fragen offen

Übernahme: Noch sind einige Fragen offen

Christoph Achenbach übernahm anschließend den Posten, tritt aber 2005 wieder zurück. Neuer Vorstandschef von KarstadtQuelle wird Thomas Middlehoff – in Folge werden Warenhäuser und Immobilien in Milliardenhöhe verkauft. 2007 wird KarstadtQuelle in Arandor umbenannt.

Trotz weiterer Verkäufe macht der Handels-Dinosaurier im Geschäftsjahr 2007/08 einen Verlust von über 740 Millionen Euro, 2009 tritt Middlehoff zurück. 2009 muss das Unternehmen schließlich Insolvenz anmelden. Nicolas Berggruen übernimmt den Konzern, schafft die Wende jedoch nicht.

Karstadt – Die Stationen eines Traditionshauses

Gegründet wurde das Traditionskaufhaus von Rudolph Karstadt in Wismar als „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt“ im Jahr 1881. Rasch wurden zahlreiche Filialen errichtet.

1912 eröffnete Karstadt in Hamburg das erste Geschäft mit 10.000 m2 Verkaufsfläche. Selbst die turbulenten Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs überlebte der Konzern – im Zuge des „Wirtschaftswunders“ der Nachkriegsjahre begann der Konzern erneut zu expandieren (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Karstadt).

Benko: Der Retter aus Tirol?

Aktuell beschäftigt Karstadt noch 17.000 Mitarbeiter – dementsprechend liegen jetzt alle Augen auf Benko; besonders die deutsche Bundesregierung verfolgt den Eigentümerwechsel genau. Ob Benko nun zum Retter der traditionsschwangeren Kaufhauskette wird, ist noch nicht klar. Experten sprechen davon, dass mindestens 1,5 Milliarden Euro an Investitionen benötigt werden, um Karstadt zu sanieren.
Dass harte Einschnitte bevorstehen, gilt als gewiss: Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung (vgl. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/uebernahme-durch-rene-benko-karstadt-haeusern-droht-die-schliessung-1.2090693) könnten bis zu 20 Häuser geschlossen werden. Allerdings soll jedes Haus einzeln unter die Lupe genommen und auf seine Rentabilität hin geprüft werden.

Immerhin soll Benko aber langfristig Eigentümer von Karstadt bleiben wollen – mindestens zehn Jahre oder länger. In die Karstadt-Häuser sollen zusätzliche Mieter, z. B. bekannte Markenhändler, einziehen. Außerdem sollen einige Geschäfte zu größeren Shopping-Zentren umgebaut werden.

Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof?

Nun flammen wieder Gerüchte auf, die eine Zusammenlegung der deutschen Metro-Tochter mit Karstadt befeuern. Schon im Jahr 2011 wollte Benko Kaufhof übernehmen.

Laut der Montagsausgabe des „Handelsblatts“ soll die Fusion von Karstadt und Kaufhof zu einer neuen Warenhaus AG für 2016 geplant sein. Eine Fusion würde, so Analysten, zwangsläufig Schließungen zur Folge haben. Benkos Signa-Gruppe, die zur Jahrtausendwende gegründet wurde, hat sich auf internationale Luxusimmobilien in Toplagen spezialisiert. Das Immobilienvermögen soll sich inzwischen auf mehr als sechs Milliarden Euro belaufen. Benkos persönliche Brieftasche soll etwa 850 Millionen dick sein.

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