Wer sich traute, veranlagte in Erste und Raiffeisen

Die tragische Situation in den USA hat Erste und Raiffeisen schwer zu schaffen gemacht. Innerhalb nur eines Monats verlor die Erste mehr als 11%, bei der Raiffeisen waren es gar 20 %. Dennoch beschränkt sich diese Krise vorrangig auf die Börse, die Geschäfte – u.a. in Osteuropa – betrifft dies nicht wirklich.

Im ersten Halbjahr, in dem der Aktienmarkt bereits geschwächt war und die Bear Stearns zusammengebrochen ist, ließen sowohl Erste-Chef Andreas Treichl als auch Raiffeisen International-Boss Herbert Stepic stark steigende Gewinne verlauten. Das Ergebnis der Ersten erhöhte sich um 12,5 % auf 636,6 Millionen €, der Gewinn der Ost-Tochter der Raiffeisen stieg sogar um 41 % auf 566 Millionen €.

Krise kann man das also wirklich nicht nennen, selbst wenn die weltweiten Finanzeinbrüche auch die heimischen Unternehmen in Bedrängnis geraten lassen. Die momentan negative Konjunktur wirkt sich natürlich aus, u.a. auf das Kreditgeschäft, das dadurch schärferen Grenzen ausgesetzt ist. Die Ergebnisse sowohl der Ersten als auch der Raiffeisen mussten natürlich erheblich unter den Folgen der Börsenkrisen leiden und beide Verluste hinnehmen. Im Falle der ersten war dies ein Minus von 16%, bei der Raiffeisen fiel dieser Rückgang etwas geringer aus.

Verglichen mit amerikanischen und westeuropäischen Banken weisen die beiden Institute eine sehr stabile Geschäftsentwicklung auf. Die liegt u.a. daran, dass sich die beiden ihr Hauptaugenmerk nicht in erster Linie auf das Investmentbanking, sondern auf die klassische Privat- und Firmenkundenbetreuung richten. In Anbetracht der momentanen Situation eine durchaus fruchttragende Strategie.

Beide Aktien werden dadurch positiv bewertet und stellen eine Kaufempfehlung dar. Allerdings ist nix fix, wie eigentlich immer im Aktiengeschäft. Wer daher nichts unnötig riskieren möchte, sollte derweilen noch nicht in die Aktie investieren und die weitere Entwicklung abwarten. Wer sich allerdings jetzt traut, kann sich eine der Aktien zulegen, was sich möglicherweise wirklich rentieren könnte.

Hieß es zumindest noch vor kurzem. Mittlerweile hat die Aktie der Ersten um ca. 14% eingebüßt und steht daher an der Börse unter Druck. Die Euphorie bezüglich dieses Papiers hat sich zumindest relativ verdünisiert. Die Ziele für 2008 hat die Erste Bank jedenfalls angesichts der Finanzlage schon heruntergeschraubt. Der prognostizierte Gewinn von 20% wurde längst auf 15% reduziert, der Nettogewinn dürfte entweder gleich bleiben oder höchstens geringfügig steigen.

Doch starke Einlagenzuflüsse garantieren ein stabiles Kreditwachstum und wirken eventuellen Rückgängen in den Bereichen Large Corporate und Investment Banking (GCIB) und Group Markets (GM), den Provisionsrückgängen in Österreich und einem prognostizierten Anstieg der Refinanzierungskosten 2009 entgegen.

(Quelle: Wirtschaftsblatt [online])



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