Tagesgeld Zinsen

Was versteht man unter Tagesgeldanlagen?

Anlagen in der Anlageform Tagesgeld sind täglich verfügbar, sie unterliegen also keiner festen Laufzeit. Insofern sind Tagesgelder für diejenigen geeignet, die jederzeit liquide sein wollen oder müssen, weil sie z.B. kurzfristig Ausgaben erwarten oder weil sie eine entsprechende Zinserwartungen haben, etwa steigende Geldmarktzinsen. Sollten die Marktzinsen nämlich steigen, müsste man bei Anlageformen mit festen Laufzeiten eben diese Laufzeit zunächst abwarten, während Tagesgelder unmittelbar an dieser Entwicklung partizipieren.

Die derzeitige Marktphilosophie beim Tagesgeld.

Im Rahmen einer klassischen Zinsstruktur werden längerlaufende Anlagen üblicherweise höher verzinst als kurzfristigere. Danach müßten Tagesgelder also niedriger verzinst werden als länger laufende Termingelder (z.B. mit 3, 6 oder 12 Monaten). Werden sie aber nicht, weil das Produkt Tagesgeld für die Anlageinstitute ein wichtiges Marketinginstrument zur Neukundengewinnung geworden ist. Daher werden weit über den Interbankensätzen liegende Zinsen geboten, um im starken deutschen Verdrängungswettbewerb neue Kunden zu erreichen. Außerdem besteht bei den Banken im Umfeld der Finanzkrise ein Interesse an hoher Liquidität. Liquidität und neue Kunden erkauft man sich dann über subventionierte Tagesgeldzinsen. An folgenden Zahlen soll dieses deutlich gemacht werden: Die Geldmarktsätze für Tagesgeld im Interbankenhandel liegen z.Zt. bei rd. 0,3 % p.a. Kundensätze müßten unter den Interbankensätzen liegen, wenn die Anlagebank einen Überschuß erzielen will. Tatsächlich wissen wir, dass aktuell Tagesgeld bis zu 4% p.a. angeboten wird, allerdings nicht selten im Zusammenhang mit Sonderbedingungen.

Was muss bei der Suche nach attraktiven Tagesgeldangeboten beachtet werden?

Da darf der offerierte Zinssatz nicht den Blick auf das Kleingedruckte verstellen. Drei Kernaspekte sind insgesamt zu betrachten: Die Sicherheit, die Sonderbedingungen (häufig im Kleingedruckten) und natürlich der Zinssatz. Die Fallstricke im Kleingedruckten können mehr als ärgerlich sein. Erste Banken werben momentan mit Anlagenofferten ohne Kleingedrucktes. Ein erster Scnhritt für mehr Fairness.

1. Die Sicherheit

Was nützt eine attraktive Verzinsung, wenn man befürchten muß, den Anlagebetrag evtl. nicht zurückzubekommen? Die Lehman-Insolvenz hat gezeigt, dass dieses Problem nicht nur in der Theorie besteht. Insofern ist die Frage der Sicherheit wichtiger als alles andere, auch wichtiger als der Zinssatz! Worauf ist also zu achten? Das Stichwort heißt Einlagensicherung! Ein Tagesgeld sollte nur bei dem Institut belegt werden, das über eine Einlagensicherung verfügt, die in ihrer Höhe den eigenene Anlagebetrag abdeckt. Generell ist bei ausländischen Banken eine betraglich niedrigere Absicherung gegeben als bei deutschen Instituten, die über Einlagensicherungsfonds oder Einlagensicherung der Sparkassen verfügen. Diese beiden letztgenannten Systeme gewähren quasi unbegrenzt Sicherheit. Notwendig ist also, vor der Anweisung des Anlagebetrages die spezielle Einlagensicherung des Institutes festzustellen. Die meisten Institute geben hierzu auf ihren homepages die notwendigen Informationen, meistens unter den Stichworten “Sicherheit” oder “Einlagensicherung”.

2. Die Sonderbedingungen

Die Sonderbedingungen (häufig im Kleingedruckten) können ein attraktives Zinsangebot stark relativieren.
Das Zinsangebot kann an folgende Besonderheiten gebunden sein:

- die Zinszahlungsintervalle. Übliche Zahlungsintervalle sind monatlich, vierteljährlich und jährlich. Vorteilhaft für den Anleger ist eine kurzfristige Zahlung, möglichst monatlich, weil er zum einen schneller über die Zinsen verfügen kann und zum anderen eine höhere Effektivverzinsung erzielt, weil die stehen gelassenen Zinsen ihrerseits wieder Zinsen erwirtschaften (Zinseszinseffekt). Die Zinseszinseffekte sind allerdings eher gering, insofern spielt die Verfügbarkeit der Zinsen eine größere Rolle.

- die Mindesteinlage. Das Zinsangebot gilt dabei nur, wenn mindestens ein Betrag von X angelegt wird.

- die Maximaleinlage. Hierbei wird die angebotene Verzinsung nur bis zu einem vorgegebenen Betrag gewährt.

- nur für Neukunden. Sollte der Anleger bereits Kunde des betreffenden Institutes sein, kann er die Zinsofferte nicht in Anspruch nehmen, weil die Bank oder Sparkasse Neukunden werben möchte.

- nur in Verbindung mit einer Wertpapieranlage oder Depotübertragung. Häufig muss die Hälfte des Anlagebetrages in Fonds angelegt werden, die andere Hälfte in Tagesgeld oder es muss ein Depot auf die neue Verbindung übertragen werden

- nur in Verbindung mit der Eröffnung eines Girokontos oder bei der Abnahme einer Kreditkarte.

3. Der Zinssatz

Hier gibt es folgende Angebotsvarianten:

- der Zinssatz gilt bis auf Widerruf (kann jederzeit geändert werden)
- der Zinssatz wird für eine bestimme Laufzeit garantiert, z.B. für 6 Monate
- der Zins wird gestaffelt gezahlt, also Zins 1 bis Betrag a, Zins 2 bis Betrag b usw.

Wie sehen typische Offerten in der aktuellen Marktlage aus?
Hier einige Beispiele im Überblick:

a) Bank of Scotland: Zinssatz 2,5 % p.a., jährliche Zahlung, kein Mindestbetrag, Maximalbetrag € 500.00,–; staatliche englische Einlagensicherung bis max. GBP 50.000,00

b) Cortal Consors: Zinssatz 3 % p.a., 6 Monate garantiert; kein Mindestbetrag; max. € 20.000,00; deutscher Einlagensicherungsfonds: Sicherheit praktisch unbegrenzt

c) 1822 direkt: Zinsstufen: 2,75 % bis € 10.000,–; 2,30% € 10.000,– bis € 50.000,–; 2 % € 50.000,– bis 150.000,–; Einlagensicherung der deutschen Sparkassen: Sicherheit praktisch unbegrenzt

d) Comdirect: 1,75 % 0 bis € 5.000,–; 1,25% € 5.000,00 – 30.000,00; 1,0 % € 30.000,– – 50.000,00; 0,5 % ab € 50.000,–; Zinszahlungen vierteljährlich; Einlagensicherung über Entschädigungsfonds der deutschen Banken: praktisch unbegrenzt

e) Volkswagenbank: 1,85 % p.a.; keine Mindest- und Maximumbeträge; monatliche Zinszahlungen; Einlagensicherung über Sicherungsfonds der Banken: praktisch unbegrenzt



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